Die Arbeit des Beratungsnetzwerks gegen Rechtsextremismus in Sachsen-Anhalt

Eine Beratungsbilanz für das Jahr 2012

Das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus wurde im Jahre 2007 in Sachsen-Anhalt aufgebaut. Die Beratung hat als generelles Ziel die Stärkung der Zivilgesellschaft in der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Problemlagen sowie die Stärkung demokratischer Prozesse im Gemeinwesen. Landesweit arbeiten 5 Regionale Beratungsteams in Sachsen-Anhalt. Sie beraten Einzelpersonen, Institutionen sowie Vereine und Verbände, die mit Rechtsextremismus, Rassismus oder Antisemitismus konfrontiert sind und Unterstützung in dieser Situation anfragen. Die 4 Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt helfen den Betroffenen, die Folgen eines rechtsextremen Übergriffs zu überwinden.

Die Gesamtzahl der Beratungsfälle der Regionalen Beratungsteams in den Jahren 2007-2012 beträgt insgesamt 487. Besonders hohe Fallzahlen wurden im Jahr 2008 verzeichnet mit 99 Beratungsfällen. Im Jahr 2012 wurden 88 Beratungsfälle neu begonnen. Nicht aufgeführt sind hierbei die laufenden Beratungsfälle, die aus dem Vorjahr herüber genommen wurden. Die Beratungsfälle sind über das ganze Land verteilt, wobei die Statistik nur wiedergeben kann, wo Menschen aktiv werden und sich an die Regionalen Beratungsteams wenden. Die regionale Verteilung stimmt daher nur bedingt überein mit den Zentren rechtsextremer Gruppierungen im Land.

Das Beratungsangebot steht grundsätzlich allen Personen, Bündnissen und Institutionen offen. Im Jahr 2012 wendeten sich schwerpunktmäßig lokale Bündnisse und Initiativen an die Regionalen Beratungsteams. Diese fragten insbesondere Unterstützung an, wie Proteste gegen die Durchführung neonazistischer Konzerte und/oder Aufmärsche von Neonazis organisiert werden können. Die Regionalen Beratungsteams unterstützen weiterhin mit Informationen zu rechtsextremen Personen und Strukturen, mit versammlungsrechtlichen Fragen und Vieles mehr. Weiterer Schwerpunkt war die Beratung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Verwaltung und Politik, meist ebenfalls bezogen auf den Umgang mit Aufmärschen, Konzertankündigungen und rechtsextremen Schmierereien im öffentlichen Raum. Weiterhin wandten sich Jugend- und Sportvereine  sowie Lehrkräfte aus Schulen an die Regionalen Beratungsteams.

Rechtsextremismus äußert sich auf vielfältige Weise. Dementsprechend unterscheiden sich die Beratungsanlässe, die zu einer Beratungsanfrage führen. Die Tabelle weist die Vielfältigkeit der Beratungsanlässe aus. Zu beachten ist dabei, dass häufig auch mehrere Anlässe den Grund für die Beratungsanfrage darstellen. Häufigster Beratungsanlass war demnach der Wunsch nach Information und Fortbildung, um die Situationen besser einschätzen zu können. Themen sind bspw. Informationen zu den rechtsextremen Kameradschaften vor Ort, zum Umgang mit rechtsextremen Jugendlichen in Schulen und Jugendverbänden, Fortbildungen zum Rechtsextremismus und anderes mehr. Auch wenden sich Vereine und Verbände an die Regionalen Beratungsstellen, wenn eine rechtsextreme Scenezugehörigkeit bei Vereinsmitgliedern vermutet wird.  Weitere Beratungsanlässe sind rechtsextreme Demonstrationen, der Erwerb von Immobilien durch Rechtsextreme und Übergriffe mit rechtsextremem Hintergrund.

Die 4 Opferberatungsstellen in Sachsen-Anhalt unterstützen Betroffene politisch rechts motivierter Gewalt. Betreut werden ebenfalls deren Angehörige  sowie Freundinnen und Freunde. Zu den Unterstützungsangeboten zählen die sozialpädagogische Betreuung, die Begleitung zur Polizei, zu Anwälten sowie zu  Ärztinnen und Ärzten. Auch werden Informationsveranstaltungen und Fortbildungen im Themenfeld angeboten. Empowerment, Vertraulichkeit und Parteilichkeit sind wesentliche Grundsätze der Beratung.

Von den Opferberatungsstellen wurden im Jahr 2012 416 Personen im Zusammenhang mit 234 politisch motivierten Gewalttaten beraten und unterstützt. In diesen Zahlen sind sowohl die in 2012 hinzu gekommenen neuen als auch die aus den Vorjahren übertragenen Beratungsfälle enthalten. Von den unterstützten Personen waren 318 direkt von den Gewalttaten betroffen sowie 98 indirekt betroffene Personen.

Die Hauptbetroffenengruppen waren die aufgrund rassistischer Motive angegriffenen Personen, d.h. Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten, ausländische Studierende und schwarze Deutsche. Weitere Angriffe richteten sich gegen Nicht-Rechte Personen und gegen politisch aktive Personen.

Infos/Kontakt:
Landeskoordinierungsstelle
Ministerium für Arbeit und Soziales Sachsen-Anhalt
Bereich Integration und Prävention von Rechtsextremismus
Hildegard Rode
Turmschanzenstraße 25
39114 Magdeburg
Tel: 0391 5674653
Fax: 0391 5674688
www.ms.sachsen-anhalt.d