Jahresbilanz der Mobilen Opferberatung 2019

Pressemitteilung vom 04.04.2020

Rechtsterroristischer Anschlag in Halle (Saale) ist nur die Spitze des Eisbergs rechter Gewalt. Alle zwei bis drei Tage wurden in Sachsen-Anhalt Menschen Opfer eines rechten, rassistischen oder antisemitischen Angriffs. „Staat und Gesellschaft dürfen die Betroffenen nicht mit den existenziellen Folgen rechter Gewalt alleine lassen.“

Mehr als fünf Monate nach dem rechtsterroristischen Attentat von Halle (Saale), bei dem am 9. Oktober 2019 die 40-jährige Jana L. und der 20-jährige Kevin S. getötet, drei Menschen verletzt wurden und mindestens 60 Menschen nur durch glückliche Umstände überlebten, fällt die Bilanz rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt für das Jahr 2019 dramatisch aus. Mit 133 politisch rechts motivierten Gewalttaten, darunter zwei Morde und mindestens 60-facher versuchter Mord zeigt sich deutlich: Rechte, rassistische oder antifeministische Diskurse und antisemitische Verschwörungstheorien können jederzeit und überall den Resonanzboden für tödliche Gewalt bilden. Die Folgen des Attentats belasten die Hinterbliebenen und Überlebenden schwer – psychisch, körperlich oder auch wirtschaftlich.

Demokratiebeirat empfiehlt verstärkte Präventionsarbeit gegen Rechtsextremismus

Pressemitteilung, Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration Sachsen-Anhalt

Am 17. Dezember 2019 hat der Beirat des Landesprogramms für Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit in einer Sondersitzung über die Folgen des Anschlags vom 9. Oktober 2019 in Halle beraten. Dabei hat der Beirat den Appell von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff aufgegriffen, der in seiner Regierungserklärung vom 23. Oktober 2019 zum Anschlag von Halle erklärt hat: „Die Demokratie braucht politische Bildung und professionelle Kompetenz bei Erziehern und Pädagogen. Aufklärung und Bildung schützen vor einfachen Welterklärungen.“

Rechtsextremer Terroranschlag an Jom Kippur - Gesellschaftliche Zusammenhänge benennen und Betroffenen beistehen

Pressestatement des Bundesverbands Mobile Beratung e.V., des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V. sowie des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e.V.

11.10.2019 - Die Ereignisse in Halle haben die Sorgen der jüdischen Communities in Deutschland bestätigt: Antisemitismus ist für Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht nur eine alltagsprägende Erfahrung, sondern nach wie vor eine potentiell tödliche Bedrohung. Über fünfzig Personen mussten im Innern der Synagoge von Halle am höchsten jüdischen Feiertag stundenlang verharren, nachdem der rechtsextreme Täter versuchte, schwer bewaffnet zu ihnen vorzudringen. Der folgende mörderische Anschlag auf einen Dönerimbiss erfolgte nicht aus Zufall, sondern war rassistisch motiviert.

"Demokratie führt Regie"

Erste landesweite Demokratiekonferenz

Zur 1. landesweiten Demokratiekonferenz laden die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration am Mittwoch, 28. August 2019, von 9.30 bis 16.00 Uhr in das Kulturzentrum Moritzhof in Magdeburg ein.

Mehr als nur zur Wahl gehen… Formate politischer Bildung in Prävention und Sozialarbeit

Fachtagung von Miteinander e.V. am 05.09.2019 in Halle

Politische Bildung hat viele Gesichter: Sie zeigt sich als Ausflug in den Bundestag, als Filmabend, als Geschichts- oder Theaterworkshop, als Vortragsreihe oder Fortbildung, als Kunstprojekt oder Stolpersteinspaziergang, als Gestaltung einer Stadtteilzeitung oder als Ausstellung… All diese Formate eint, dass sie die Möglichkeit bieten, sich (kritisch) mit der Umwelt, mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen, aber auch mit unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt auseinanderzusetzen. Dabei sind auch methodisch Teilhabe und Eigenverantwortung zentral. Politische Bildung versucht also ganz im Sinn der Prävention, Menschen zu befähigen und anzuregen, sich ein eigenes Urteil zu bilden und aktiv an der Gestaltung ihres Lebensraums im Sinne demokratischer und an den Menschenrechten orientierter Werte mitzuwirken.

Tag der Erinnerung 2019 - 11. Juni 2019, 15 Uhr, Stadtpark Dessau

19 Jahre nach dem Mord an Alberto Adriano - 11 Jahre nach dem Mord an Hans-Joachim Sbrzesny

Alberto Adriano

In der Nacht zum 11. Juni 2000 wurde Alberto Adriano von drei rechten Schlägern im Dessauer Stadtpark bewusstlos geprügelt. Im Krankenhaus starb er später an den massiven Verletzungen.

Hans-Joachim Sbrzesny

Am 1. August 2008 wurde der 50 Jahre alte Hans-Joachim Sbrzesny von zwei vorbestraften Rechten
im Park vor dem Dessauer Hauptbahnhof auf brutale Weise ermordet.

 

 

 

Online-Beratung der Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt gestartet

"Mit dem Angebot einer Online-Beratung können wir Betroffenen rechter Gewalt einen zusätzlichen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung ermöglichen"

"Seit heute können Betroffene rechter und rassistischer Gewalt unter https://mobile-opferberatung.beranet.info unser neues Online-Beratungsangebot nutzen und mit uns in Deutsch und Englisch mailen oder live chatten. Der Vorteil: Ratsuchende können sich jederzeit und bei Gelegenheit – von zu Hause aus, unterwegs mit Handy, Pad oder Laptop ebenso wie im Internetcafé – ihre Fragen, Befürchtungen oder Ideen von der Seele schreiben. Sie können davon ausgehen, dass sie eine zeitnahe Antwort erhalten oder schnell mit uns auch live dazu chatten können. Dabei können Hilfesuchende anonym bleiben und selbst entscheiden, ob und wie die Kommunikation weitergehen soll oder welche Art der Unterstützung benötigt und angefragt wird."

Sammelband „Beratung im Kontext Rechtsextremismus“ erschienen

Bundesverband Mobile Beratung steuert Positionen und Beispiele bei

„Den aktuellen Wissensstand und die diskursiven Positionen“ des Berufsfelds Mobile Beratung versucht ein aktuell erschienener Sammelband abzubilden. Gemeinsam mit den Herausgebenden, Reiner Becker und Sophie Schmitt (Uni Marburg/ Hessisches Landesdemokratiezentrum) hat der Bundesverband Mobile Beratung schon in der Konzeptionsphase über Ansätze und Konzepte diskutiert. Der Einladung zum Beisteuern von Texten und Positionen kamen Friedemann Bringt, Grit Hanneforth, Heiko Klare und Petra Schickert nach. In ihren Artikeln skizzieren sie Mobile Beratung als sozialraumorientierte und auf die Zivilgesellschaft ausgerichtete Beratung mit Haltung.

Mobile Opferberatung stellt Jahresbilanz 2018 vor: 154 politisch rechts motivierte Gewalttaten in Sachsen-Anhalt

Trotz Rückgang zu Vorjahren kein Grund zur Entwarnung

154 politisch rechts motivierte Gewalttaten mit mindestens 290 Betroffenen hat die Mobile Opferberatung für das Jahr 2018 in Sachsen-Anhalt registriert.1 Auch wenn das im Vergleich zum Vor­jahr einen weiteren Rückgang um etwa 20 Prozent bedeutet, ist das Ausmaß rechter und rassistischer Gewalt in Sachsen-Anhalt für Betroffene und potenziell Betroffene weiterhin äußerst bedroh­lich: Noch immer wurden in 2018 mindestens aller zwei bis drei Tage Menschen angegriffen und zum Teil erheblich verletzt, weil sie im Weltbild der Täter*innen als nicht zugehörig, „anders“ oder weniger wert angesehen werden.2 Zudem ist von einer hohen Anzahl nicht angezeigter bzw. auch der Mobilen Opferberatung nicht bekannt gewordener politisch rechts motivierter Angriffe auszuge­hen.

Vereint für Miteinander: Bundesweit tätige Organisationen stellen sich gemeinsam gegen die AfD-Kampagne

Magdeburg/Berlin, den 2. Oktober. 35 Organisationen zeigen ihre Solidarität und die Forderung, den Verein Miteinander e.V. weiter zu fördern.