Vortrag: Die wiedervereinigte Rechte

30 Personen besuchen Kooperationsveranstaltung von Dessau Nazifrei, Projekt GegenPart und Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt Dessau


Bei einer von der Partnerschaft für Demokratie Dessau-Roßlau geförderten Kooperationsveranstaltung von Dessau Nazifrei, Projekt GegenPart und der Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt Dessau besuchten etwa 30 Personen das Kiez-Kino in Dessau. Der Sozialwissenschaftler Lukas Jocher referierte bei der Veranstaltung über mögliche Erklärungsansätze für den Aufstieg der extremen Rechten in Ostdeutschland. Dabei verortete er den Ausgangspunkt seiner Auseinandersetzung in den Wellen rechter Gewalt in beiden Deutschen Staaten in den 1980er Jahren um zu betonen, dass die sogenannten Baseballschlagerjahre weder unerwartet noch aus dem nichts kamen.

Diese Gewaltwelle ist jedoch sowohl in West- als auch in Ostdeutschland zu verorten, hier sprach der Referent von „komplementären Entlastungsnarrativen“: in Ostdeutschland werde rechte Gewalt als Import aus dem Westen weggeschoben während sie in Westdeutschland nach Osten externalisiert wurde. Dass beide Erzählungen kaum haltbar sind belegte er an unterschiedlichen Beispielen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf Ereignissen in Sachsen-Anhalt, das sowohl zu DDR-Zeiten als auch nach der deutschen Wiedervereinigung viele Fälle rechter Gewalt zu verzeichnen hatte, darunter den Tod des 18 Jahre alten Mosambikaners Carlos Conceição 1980 (mehr dazu hier…) oder den Angriff auf die Kötschauer Mühle in Zerbst in der Nacht der deutschen Wiedervereinigung (mehr dazu hier…). Schließlich kontextualisierte er dies mit ökonomischen Verwerfungen im Zuge der Wiedervereinigung, von denen rechtsextreme Parteien, allen voran NPD und DVU, immens profitierten. Auf den etwa einstündigen Vortrag folgte eine Stunde angeregter Diskussion, in der debattiert wurde welche Schlüsse sich daraus für die Rechtsextremismusprävention ziehen lassen.

Der Vortrag fand indes im Rahmenprogramm des in Dessau-Roßlau am 01. Oktober 2023 gezeigten Theaterstücks „Revolution der Stille“ (mehr dazu hier…) statt.